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VOM GLÜCK DER PECHMARIE
 

INTERVIEW: DANIELA BACHAL – KLEINE ZEITUNG,
Sonntagsbeilage am 3. Jänner 2010


Vom Glück der PechmarieDie Reformpädagogin Irmgard Baum über die Zuversicht,
die man Kindern auch in Krisenzeiten vermitteln kann.

Seit einiger Zeit ist viel von Krise die Rede, von beängstigenden Wirtschaftsdaten und der Furcht des Einzelnen, nicht mehr zu genügen, aus der modernen Leistungs- und Konsumgesellschaft herauszufallen. Ziemlich schwierig, Kindern unter diesen Bedingungen Mut und Zuversicht zu vermitteln. Kann es trotzdem gelingen?
IRMGARD BAUM: Ja. Indem wir vom Kritisieren und Bewerten weggehen und uns auf reformpädagogische Werte besinnen, die sagen: „So viel kannst du schon, den Rest schaffst du leicht!“
Das ist leichter gesagt als getan, wenn gleichzeitig der Stress und der Druck für die Eltern zunehmen.
BAUM: Erwachsene müssen erkennen, dass sie in Eigenverantwortung entscheiden können, ob sie Stress leben, ob sie im Bedürfnis, alles haben zu wollen, gefangen bleiben möchten, oder ob sie bereit sind, innezuhalten, zu überlegen, ob das, was sie da alles anstreben, wirklich wichtig und notwendig ist.
Alles schön und gut. Aber bei Arbeitslosigkeit und plötzlich sehr radikalen finanziellen Einschränkungen: Was sagt man seinen Kindern da wirklich? Und wie?
BAUM: Man kann hier gut an die magische Welt der ersten Lebensjahre der Kinder anknüpfen, in denen ihre Phantasie noch sehr lebendig ist und sie ihre Umgebung äußerst hellsichtig wahrnehmen. Man verwendet dazu am besten Verwandlungsspiele, lässt Kinder in Rollen schlüpfen, mit denen sie besser erkennen, warum ihre Eltern diesen Stress und diese Ängste haben. Wenn eine Familie gemeinsam erkennt, dass es nicht darum geht, alles haben und kaufen zu müssen und dass das Glück sich nicht im Großen abspielt, sondern im Kleinen, im Miteinander, im Vertrauen und in der Verbindlichkeit, dann können Kinder mit Krisensituationen viel besser umgehen.
An welches Rollenspiel denken Sie konkret?
BAUM: Etwa, indem man das Märchen Frau Holle nachspielt. Einer spielt die Pechmarie, die alles haben möchte, und der andere die Goldmarie, die erkennt, worauf es wirklich ankommt: auf das Rütteln des Baumes und das Schütteln der Federn. Dabei erlebt man auch den Lohn, der sich einstellt, wenn man als soziales Wesen die Bedürfnisse anderer wahrnimmt – und wie es sich andererseits anfühlt, wenn man alles bekommt und doch nicht sieht, wo man gebraucht wird, wo man seinen Platz hat. Das ist ja auch das Problem vieler Erwachsener, dass sie so verhaftet sind im Pechmarie-Denken, alles kaufen und haben zu müssen, dass sie nicht die Signale um sich herum sehen, wie etwa den Apfelbaum, der ruft: Rüttel mich und Schüttel mich!
Menschlich auf dem richtigen Weg zu sein, macht nicht automatisch wirtschaftlich lebensfähig. Kann man Kindern dazu in der Erziehung noch etwas mitgeben?
BAUM: Mir war es immer eine große Freude, Kindern durch kreatives Schaffen vor Augen zu führen, wie erfolgreich sie sein können – ihnen zu zeigen, wie einfach es ist, durch kreatives Potenzial Probleme zu lösen. Wir können viel dazu beitragen, dass sich Kinder zu charismatischen Persönlichkeiten entwickeln.

ZUR PERSON
Irmgard Baum arbeitet seit 35 Jahren in der Erwachsenenbildung sowie der Kindergartenpädagogik und Lehrerfortbildung; sie hat eine therapeutische Tanzform für Mädchen und Frauen jeden Alters entwickelt und Bücher zum Thema Gesundheit geschrieben.




 
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